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In einer Bar. Überall. Zu jeder Zeit. - EIN DIALOG

JACK

Hey.

PHIL

Hey.

JACK

Bist Du öfter hier?

PHIL

Willst Du mich anmachen oder was?

JACK

Nee, mein Freund, ein alter Säufer macht einen anderen alten Säufer nicht an. Nein Mann, aber Du trinkst so wie wenn man trinkt wenn man zu Hause ist. Wenn man da sitzt mit Pantoffeln und das Testbild vom Fernseher läuft und die Erdnussschalen kämpfen mit den Kippen um den Platz im Aschenbecher. Und du wachst auf von der Flasche die auf dem alten Teppich hin zu den anderen rollt.

PHIL

Mmh.

JACK

Bist wohl nicht so gesprächig was?

PHIL

Wieso denn auch? Ich saufe, das reicht doch.

JACK

Ja aber WARUM säufst Du?

PHIL

Geht’s Dir noch gut? Du fragst doch n Hund auch nicht warum er bellt!

JACK

Na aber der Hund muss ja. Also bellen. Du kannst dich anders entscheiden. Also, der Mensch kann das, meine ich.

PHIL

Bist wohl n Prediger, was? Nun gut, dann hör mal zu, Prediger

JACK

Ich bin kein Prediger.

PHIl

 Ja ja. Ich KANN also und ich MUSS saufen. Klasse oder?

JACK

Ja also, aber, warum säufst denn nun?

PHIL

Herrgott, der gibt keine Ruhe. Gib mir erstmal Feuer. Danke. Du willst also wissen warum ich saufe. Ich sag Dir warum. Als ich n Bub war, da wusste ich, wenn ich aufwache, dann sind da Mutter und Vater und die Schwestern, und es wurde Frühstück gemacht. Gut es gab die Schule, aber danach gabs die Hunde, und die Jagd, das Klettern, die Wettrennen und das Schwimmen. Jeden Tag wusste man: Dafür is man da. Und als ich n junger Bursche war, da war da meine Arbeit aufm Schiff. Rund um die Welt gings, und da waren Muskeln die die Segel lenkten, die das Deck schrubbten, die im Sturm den Kameraden den Kopf hielten, wenn Sie kotzen mussten. Da war Morgen nach dem Unwetter und das Wissen überlebt zu haben. Da waren erst viele Mädchen, und dann war da mein Mädchen dass auf mich wartete und schwanger war und wunderschön. Und jeden Tag wusste ich: Dafür is man da.

Dann verlor ich das Bein. Siehst Du? Da is nur Holz. Und ich hatte keine Arbeit mehr. Das war noch kein Problem. Hätte was andere finden können, auch ein Handwerker mit ohne Bein aber zwei Händen kann gute richtige Arbeit machen. Aber ich wurde verbittert. Beschimpfte mein Mädchen. Und sie ging. Darüber wurde ich noch bitterer. Ich saß vor meiner Hütte, meine Zähne verfaulten mir im Maul und ich fluchte und soff und wachte in meiner eigenen Kotze auf. Und das war wo ich dachte da hat der Teufel meine Seele geholt. Aber heute weiß ich, dass ich sie ihm schon lange vorher gegeben habe, aufm Silbertablett wo was ganz blank poliert war. Und weißt du auch wann genau der Moment war?

JACK

Nee.

PHIL

Ich sags Dir: In dem Moment wo ich vergessen habe wofür ich da bin. In dem Moment wo meine Hände das aufgehört zu tun habe, wofür sie gut sind. Der Moment wo ich meine Gabe mit Füßen getreten und auf meinem Arsch gesessen und mir selbst Leid getan hab. In dem Moment, wo ich aufhörte, meine Arbeit zu tun, das was mir am meisten liegt, womit ich meine Familie ernähren hätte können und was mich immer rund um glücklich gemacht hab. Denn das brauchst du- was wo du weißt: Dafür bin ich da. Baum klettern, Kinder bekommen, aber vor allem: Deine Dir eigene Aufgabe erfüllen, dass wo du besonders gut kannst. Alles andere ist ne Sünde, alter Freund. Die schlimmste Sünde wo gibt.

JACK

Also darum säufst Du.

PHIL

Darum sauf ich.

JACK

Ja aber da tust du dir doch auch selber Leid. Warum hörst du nicht auf?

PHIL

Weil ich jetzt ganz beim Teufel bin. Kann nicht mehr anders. Wenn man erstmal ne Weile irgendwo ist, wenn das dann wird was man kennt, da bleibt man. So sind die Menschen halt.

JACK

Ganz schön feige! Hey Du sagst ja gar nichts. Hey! Hey Wirt, ruf nen Medizinmann, der hier rührt sich nicht mehr.

WIRT

Mmh. Jetzt hat ers geschafft.

PHIL

Was denn guter Mann?

WIRT

Jetzt isser ganz drüben. Hat sich hinüber gesoffen.  Na ja. Willst Du noch was?

PHIL

Nee. Nee, Mann. Ich  glaube für sehr lange Zeit nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12.11.12 22:42
 


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